Wenn Alexander Schweitzer die AfD öffentlich als „Versagerpartei“ bezeichnet, klingt das nach Berliner Politrhetorik. In der Pfalz allerdings stößt so eine Aussage auf eine ganz andere Realität. Denn hier messen die Menschen Politik nicht an Etiketten, sondern an dem, was vor Ort funktioniert – oder eben nicht.
In vielen pfälzischen Kommunen ist die Lage angespannt. Rathäuser arbeiten am Limit, Bauanträge ziehen sich über Monate, manchmal Jahre. Schulen warten auf Sanierung, Turnhallen werden notdürftig geflickt, Lehrer fehlen. Wer in Landau, Germersheim oder der Südpfalz eine bezahlbare Wohnung sucht, kennt die Realität: Der Markt ist leer, die Mieten hoch, Lösungen rar. Und während überall vom digitalen Staat die Rede ist, dominiert in Amtsstuben noch immer der Papierstapel.
All das fällt nicht vom Himmel. Es ist das Ergebnis jahrelanger politischer Verantwortung – auch und gerade der SPD, die Rheinland-Pfalz seit Langem mitgestaltet. Vor diesem Hintergrund wirkt der Vorwurf der „Versagerpartei“ weniger selbstbewusst als ablenkend. Wer regiert, muss sich an Ergebnissen messen lassen – besonders im eigenen Land.
Viele Bürger in der Pfalz empfinden diese Art von Rhetorik als Ausdruck von Distanz. Statt Probleme offen anzusprechen und Lösungen voranzutreiben, werden politische Gegner pauschal abgeurteilt. Das schafft kein Vertrauen. Im Gegenteil: Es verstärkt das Gefühl, dass die Sorgen vor Ort in Mainz nur als statistische Größe wahrgenommen werden.
Der Zulauf zur AfD ist kein Produkt von Schlagworten, sondern ein Warnsignal. Wer ihn ignoriert oder moralisch wegwischt, verkennt die Ursachen. Demokratie lebt vom Ernstnehmen der eigenen Verantwortung – gerade dort, wo Politik konkrete Folgen hat: in den Städten, Dörfern und Verbandsgemeinden der Pfalz.
Wer glaubwürdig bleiben will, sollte weniger etikettieren und mehr liefern. Denn in der Pfalz zählt nicht, was gesagt wird. Sondern, was ankommt.
Sein oder nicht sein...
Das ist auch hier die Frage – und nicht nur bei Hamlet.
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Ihr Südpfalzreporter (Der Südpfalzgestalter) André Braselmann
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