Wenn der Staat die Ehre seiner Politiker selbst verteidigt – § 188 StGB wirkt wie ein Gesetz, das nicht aus Stärke geboren wurde, sondern aus Empfindlichkeit. Er sagt weniger über den Schutz der Demokratie aus als über die Nervenlage derer, die regieren.
Denn plötzlich reicht ein verletzendes Wort, um das politische System in Gefahr zu sehen – aber keine Fehlentscheidung, kein Machtmissbrauch, kein Versagen.
Worte als Bedrohung, Macht als Normalzustand
Der Bürger darf kritisieren.
Natürlich darf er das.
Solange es nicht zu deutlich, nicht zu hart und nicht zu wirkungsvoll wird.
Denn sobald Kritik geeignet sein könnte, einem Politiker politisch weh zu tun, greift der Staat helfend ein – mit Strafrecht.
Nicht aus Notwehr.
Sondern aus Selbstfürsorge.
Ein erstaunliches Demokratieverständnis
§ 188 unterstellt, dass:
- Politiker besonders schutzbedürftig sind
- Bürgerworte besonders gefährlich sind
- politische Macht weniger Schaden anrichtet als rhetorische Härte
Das ist kein liberaler Rechtsstaatgedanke, das ist ein paternalistischer Kontrollreflex.
Sonderrecht für die, die sowieso oben sind
Während normale Menschen Beleidigungen aushalten oder zivilrechtlich klären müssen, bekommen politische Amtsträger ein strafrechtliches Schutzschild.
Nicht, weil sie schwächer sind.
Sondern weil sie wichtiger sind.
Und genau das darf man – noch – problematisch finden.
Fazit
§ 188 StGB zeigt eine Demokratie, die Kritik nicht mehr souverän begegnet, sondern sie vorsorglich kriminalisiert, wenn sie unbequem wird.
Wer Macht ausübt und dafür besonderen Ehrschutz verlangt, verwechselt Respekt mit juristischer Einschüchterung.
Und eine politische Klasse, die Worte für gefährlicher hält als ihr eigenes Handeln, hat kein Kommunikationsproblem – sondern ein Legitimationsproblem.
Sein oder nicht sein...
Das ist auch hier die Frage – und nicht nur bei Hamlet.
Auch mein kritischer Journalismus steht genau an diesem Punkt: ohne einen einzigen Cent Zwangsgebühren, ohne Steuermillionen, ohne Milliardäre im Hintergrund.
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Ihr Südpfalzreporter (Der Südpfalzgestalter) André Braselmann
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