Maßregelvollzug – Ein kalkuliertes Wegsehen

Fluchten aus dem Maßregelvollzug sind kein Versagen einzelner Mitarbeiter. Sie sind das Ergebnis politischer Entscheidungen. Entscheidungen, die man trifft – und deren Konsequenzen man anschließend lieber nicht diskutiert.

Der Maßregelvollzug ist bewusst offen organisiert. Weniger Kontrolle, mehr Vertrauen, mehr Freiheit. Das ist kein Zufall, sondern Ideologie: Therapie vor Sicherung. Humanität vor Abschottung. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Problematisch ist nur die Heuchelei, die folgt, wenn genau dieses Konzept scheitert.

Überraschung als Ritual

Nach jeder Flucht beginnt das Ritual: Betroffenheit, Prüfung, Beschwichtigung. Dabei weiß jeder Verantwortliche, dass nächtlich kaum Personal auf den Stationen ist, dass Türen offen sind, dass Prognosen keine Garantien sind.
Niemand wird überrascht. Es wird nur so getan.

Risiko wird verschwiegen

Der Staat nimmt bewusst in Kauf, dass Straftäter den Maßregelvollzug verlassen können. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Überzeugung. Das Risiko ist eingepreist. Was fehlt, ist die Ehrlichkeit, es der Öffentlichkeit auch so zu sagen.

Denn Ehrlichkeit wäre unbequem. Sie würde bedeuten:

  • Sicherheit gibt es nicht gratis.
  • Therapie braucht Freiheit – auch wenn sie missbraucht wird.
  • Wer absolute Kontrolle fordert, zerstört den Maßregelvollzug.

Politik ohne Mut

Statt diese Wahrheit auszusprechen, versteckt man sich hinter Einzelfällen und richterlichen Anordnungen. Das beruhigt kurzfristig, löst aber kein Problem. Es ist Politik ohne Mut zur eigenen Entscheidung.

Fazit

Der Maßregelvollzug ist nicht zu lasch.
Er ist genau so, wie er politisch gewollt ist.

Wer das System behalten will, muss die Risiken aushalten.
Wer die Risiken nicht mehr tragen will, muss das System ändern.

Alles andere ist kein Sicherheitskonzept – sondern Verdrängung.

Sein oder nicht sein...

Das ist auch hier die Frage – und nicht nur bei Hamlet.
Auch mein kritischer Journalismus steht genau an diesem Punkt: ohne einen einzigen Cent Zwangsgebühren, ohne Steuermillionen, ohne Milliardäre im Hintergrund.
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Ihr Südpfalzreporter (Der Südpfalzgestalter) André Braselmann
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