Ermittlungen gegen 23 Prozent der verschwundenen Asylbewerber aus RLP

Die politische Verantwortung für diese Entwicklung liegt beim Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz. Dort werden Aufnahmestrukturen, Zuständigkeiten und Kommunikationslinien festgelegt – und dort wird entschieden, wie mit Zahlen umgegangen wird, die offenkundig erklärungsbedürftig sind. Wenn 923 Menschen aus staatlichen Einrichtungen verschwinden und fast ein Viertel von ihnen bereits im Fokus polizeilicher Ermittlungen stand, dann ist das kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Versäumnis.

Anstatt dieses Versäumnis offen zu benennen, greift das Innenministerium zu sprachlichen Beschwichtigungsformeln. Straftaten werden zu „Alltagskriminalität“, körperliche Gewalt zu „einfacher Körperverletzung“, Zuständigkeiten zu einer Frage der Perspektive. So wird aus einem Kontrollproblem ein Kommunikationsproblem – und aus politischer Verantwortung ein semantisches Ausweichmanöver.

Besonders schwer wiegt dabei das behördliche Durchreichen von Zuständigkeiten. Während das Ministerium aggregierte Zahlen veröffentlicht, verweisen nachgeordnete Stellen auf andere Behörden, sobald es konkret wird. Transparenz endet dort, wo sie unangenehm würde. Doch ein Innenministerium, das Kontrolle behauptet, muss sich auch an konkreten Ergebnissen messen lassen – nicht an beruhigender Wortwahl.

Wer innere Sicherheit verwaltet, trägt Verantwortung nicht erst bei schweren Gewaltverbrechen, sondern bei der Frage, ob staatliche Verfahren nachvollziehbar funktionieren und ob der Staat weiß, wo sich die Menschen befinden, für die er verantwortlich ist. Diese Verantwortung lässt sich nicht relativieren, nicht delegieren und nicht sprachlich kaschieren. Wer es dennoch versucht, verspielt Vertrauen – und genau das ist das eigentliche politische Risiko.

Aus diesem Befund folgt eine klare Konsequenz

Das Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz muss eine vollständige, transparente und regelmäßig veröffentlichte Statistik vorlegen. Dazu gehören die Zahl der Abgängigen nach Einrichtung, ihr aufenthaltsrechtlicher Status, der Stand der Asylverfahren, der Anteil abgelehnter Anträge sowie der Umgang der Behörden mit bekannt gewordenen Straftaten. Solange diese Daten nur ausschnittsweise, sprachlich beschönigt oder über Zuständigkeitsverweise fragmentiert veröffentlicht werden, bleibt der Eindruck bestehen, dass nicht Aufklärung das Ziel ist, sondern Beruhigung.

Ein Innenministerium, das Verantwortung ernst nimmt, muss sich dieser Transparenz stellen – nicht auf Nachfrage, sondern aus eigenem Anspruch heraus. Alles andere ist kein Verwaltungsproblem, sondern ein politisches Versagen.

Sein oder nicht sein...

Das ist auch hier die Frage – und nicht nur bei Hamlet.
Auch mein kritischer Journalismus steht genau an diesem Punkt: ohne einen einzigen Cent Zwangsgebühren, ohne Steuermillionen, ohne Milliardäre im Hintergrund.
Ich arbeite unabhängig – und lebe ausschließlich von Ihrer Unterstützung.
Auf Sie kommt es an.
Denn nur gemeinsam sind wir stark, nur gemeinsam können wir Missstände benennen und Dinge tatsächlich verändern.

Ihr Südpfalzreporter (Der Südpfalzgestalter) André Braselmann
PayPalwhydonate

Scroll to top